
"Was man als Ermutigung, Trost, Liebe, Achtung bezeichnet, das sind Hebel für die Seele des Menschen, und je eifriger sich jemand in diesem Sinne bemüht, desto nachhaltiger erneuert und stärkt er das Leben um sich herum."
Maria Montessori
Bei der Arbeit in Projekten beschäftigen wir uns über einen längeren Zeitraum (ca. 3 – 4 Wochen) mit einem Thema und behandeln es ausführlich. So werden Themen aus dem Lebensalltag der Kinder aufgegriffen wie z.B. "Familie, Krankenhaus, Polizei, Feuerwehr, Gefühle", aber auch Themen, an die Kinder herangeführt werden sollten, wie z. B. "Kunst, Steinzeit oder andere Kulturen."
Unser Ziel ist es, durch vielseitige Angebote möglichst viele Kinder zu erreichen. So können Bilderbücher vorgelesen und besprochen werden, Besichtigungen, Rollen- und Theaterspiele durchgeführt werden, es kann gebaut, gebastelt und gemalt werden. Die Kinder können Klanggeschichten erarbeiten oder themenbezogene Filme sehen.
Das intensive Erarbeiten eines Themas soll nicht nur Wissen, Verständnis und Erfahrungen auf einem Gebiet bringen, sondern auch Interesse und Neugier wecken, mehr wissen zu wollen.
Oft wird das Projekt durch das Erstellen einer kleinen Mappe begleitet und durch eine Ausstellung oder ein Fest abgeschlossen.
Ein häufiger Effekt der Projektarbeit ist die Öffnung des Kindergartens zu seinem Umfeld. Wir gehen nach außen z.B. bei einem Besuch eines Bauernhofs oder beim Aufbau eines Marktstandes.
Wir laden Menschen zu uns ein: Die Nachbarn zu einem Fest oder eine Hebamme zum Thema Familie. Projektarbeit kann so zu einer Form Elternmitarbeit und zur Öffentlichkeitsarbeit werden.
Zum festen Bestandteil unserer Arbeit gehören Angebote zum bildnerischen Gestalten. Um Kreativität und schöpferische Fähigkeiten zu fördern, bieten wir eine große Auswahl verschiedenster Materialien und Techniken an. So arbeiten wir mit unterschiedlichen Papieren, mit Aquarell- und Acrylfarben, Tinte, Finger- und Tuschkastenfarben, Wachs- Öl- und Pastellkreiden.
Die Kinder erstellen in vielfältigen Verfahren ihre künstlerischen Arbeiten. In der Regel bieten wir wöchentlich 1 – 2 Techniken an. So haben die Kinder Zeit zu experimentieren, zu wiederholen und zu vertiefen.
Auch zögerliche Kinder oder Kinder, die wegen anderer Beschäftigungen"keine Zeit" fanden, werden neugierig und bekommen Lust, mitzumachen. Durch ihre Erfolgserlebnisse und durch die Wertschätzung ihrer Bilder und Arbeiten erlangen die Kinder Selbstsicherheit. Die Freude am Tun bewirkt, dass Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft wachsen.
Es werden Kenntnisse über Materialien und Farben erworben, handwerkliche Fähigkeiten erlernt und der ästhetische Sinn geschult. In gemeinschaftlichen Arbeiten werden Sozialverhalten und Gemeinschaftssinn gefördert.
Im Projektraum befindet sich unter anderem ein Mal- und Basteltisch mit verschiedensten Materialien, an dem die Kinder ihre eigenen Ideen umsetzen. Gegebenfalls bieten wir unsere Hilfe an. So werden wir z.B. ein Kind, das sagt, es könne keinen Vogel malen, durch Gespräche und gezielte Fragen ermutigen, "seinen Vogel" darzustellen – im Gegensatz zur gleichmachenden Schablonenarbeit.
Wichtige Bereiche in unserer Arbeit mit Kindern sind Sprache und Kommunikation. Sprache ist nicht nur Kommunikations- und Ausdrucksmittel, sie hat auch einen großen Anteil an der psychischen Entwicklung eines Kindes.
Unsere Aufgabe ist es, das Kind in der sprachlichen Entwicklung zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern. Im Stuhlkreis erzählen die Kinder Erlebnisse, die sie im täglichen Leben erfahren. Für das Kind ist es wichtig, dass ihm Erwachsene und Kinder zuhören und seine Erzählungen ernstnehmen. Durch das Miteinander sprechen helfen wir den Kindern, sich sprachlich auf die richtige Weise auszudrücken, um den Wortschatz zu erweitern.
Wir führen die Kinder in immer neue Informationsbereiche und benennen die neuen Eindrücke in vollständigen Sätzen. Z.B. werden Tiere und Pflanzen bei Ausflügen in den Wald genauer betrachtet und diese Eindrücke sprachlich umgesetzt.
Die Umgebung beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung und das Wohlbefinden des Kindes, sondern auch die Art der Kommunikation und damit auch die sprachliche Entwicklung des Kindes. In einer liebevollen Umgebung soll das Kind sich geborgen fühlen und die Gelegenheit haben, sich natürlich und spontan zu äußern. Sprechen und Spielen gehören zusammen und ihre Intensität hängt von den Anreizen ab, die die Kinder in unserer Einrichtung finden.
Sprechspiele, Fingerspiele, Singen, Rollenspiele, Geschichten vorlesen wecken bei dem Kind die Freude an der Sprache, am mitreißenden Rhythmus sowie an ruhigen Klängen. Sie verlocken zum Singen und Horchen, Vor- und Nachsprechen, zum Freuen, Staunen, Fühlen und Nacherleben. Diese Angebote werden in Kleingruppen oder im Stuhlkreis regelmäßig durchgeführt.
Dem freien Spielen und der Bewegung räumen wir viel Zeit in unserem Kinderhaus ein. Der Rollenspielraum bietet dazu reichlich Möglichkeiten. In der Küchen-, Verkleidungs- und Puppenecke, mit unseren Babys Silla und Max, werden Begebenheiten des täglichen Lebens der Kinder nachgespielt und dadurch be- und verarbeitet. In Verbindung mit der Projektarbeit entstehen in diesem Raum eine Krankenstation, ein Theater, ein Verkaufsstand u.v.m mehr. Weiterhin sind in diesem Raum ein Bällchenbad für die Körperwahrnehmung, eine Bauecke und verschiedene Materialien zur Förderung der Grobmotorik vorhanden.
Auch im Außengelände bieten sich viele Möglichkeiten für die Kinder, aktiv zu sein. Bei schlechtem Wetter sind Gummihosen und Gummistiefel notwendig, um dort zu toben und zu spielen.
Warum ist es so wichtig, den Kindern diesen "Spielraum" zu lassen? Kinder erkunden und verstehen im freien Spiel sich selbst und ihre Umwelt. Es ermöglicht jedem Kind, die Schwierigkeit der Spielhandlung seinen eigenen Fähigkeiten anzupassen – also sich weder zu über- noch zu unterfordern. So können Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, aber auch Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer und Selbständigkeit wachsen. Alle Bereiche des Lernens werden beim Spielen angesprochen:
Einmal wöchentlich wird der Rollenspielraum für die Turn- und Rhythmikstunde freigeräumt. Wir bereiten gezielt Übungen zum Gleichgewichts- und Reaktionsvermögen, zur Raumorientierung, Körperwahrnehmung, Geschicklichkeit usw. vor. Unsere Materialien sind z.B. Seile, Stäbe, Tücher, Reifen, Bänke. In Partner oder Gruppenübungen sollen auch Rücksichtnahme und die Fähigkeit, sich einzuordnen, geübt werden.
 
Über die Möglichkeit, in den Wald fahren zu können, sind wir froh. Das Spielen und Bewegen in der Natur bringt vielfältige Sinneserfahrungen für die Kinder. Sie spüren und erleben die ruhige Atmosphäre des Waldes, und wir ermuntern dazu, Augen, Nase und Ohren offen zu halten. Die Kinder bilden kleine Gruppen und sind schnell im Spiel versunken, bauen Höhlen aus Zweigen und spielen im Sand. Natürlich ist das Klettern erlaubt. Den erwachenden Entdeckergeist und die Freude an der Natur möchten wir nutzen, um die Kinder zu sensibilisieren, die Natur zu respektieren und zu schützen.